Leseecke — 9. Januar 2015 at 13:30

Die Geburt und Kindheit des Propheten (s.)*

Mekka war von einer schweren Decke der Finsternis bekleidet. Keine Anzeichen von Leben und Aktivität konnte beobachtet werden. Nur der Mond erschien langsam hinter den dunklen Bergen hervor und warf seine blassen, zarten Strahlen auf die einfachen, kargen Häuser und den sandigen Gebieten außerhalb der Stadt.

Stück für Stück gab die Mitternacht dem Morgengrauen den Weg frei. Eine leichte Brise stahl sich durch das glühend heiße Land vom Hijaz und bereitete es auf eine kurze Rast vor. Auch die Sterne kamen nun zur Schönheit des reinen Banquettes dazu und lächelten den Bewohnern von Mekka zu.

Jetzt war es früher Morgen und die früh aufstehenden, wachsamen Nachtvögel sangen wunderschön zum himmlischen Wetter. Sie schienen in einer romantischen Sprache zu ihrem Geliebten zu sprechen.

Am Horizont erschien am Rande der Helligkeit die Morgendämmerung, aber es siegte immer noch eine geheimnisvolle Ruhe über die Stadt. Alle waren am Schlafen und nur Amina, die die erwarteten Wehen spürte, war noch wach.

Die Wehen wurden immer stärker. Plötzlich erblickte Amina mehrere unbekannte Frauen in ihrem Zimmer. Der Raum war von Licht erfüllt und es lag ein Duft in der Luft. Sie fragte sie, wer sie waren und wie sie ihr Zimmer trotz verschlossener Tür betreten konnten.

Bald gebar sie ihr Baby und konnte ihr Kind mit Freude nach mehreren Monaten des Wartens am 17. Rabi-ul-Awal betrachten.

Alle waren überglücklich über die Geburt des Kindes. Aber als Muhammad (s.) Aminas dunklen und stillen Raum des Gebetes erleuchtete, war ihr Abdullah nicht mehr anwesend. Er verstarb in Medina während der Rückkehr nach Damaskus und wurde dort begraben. Amina verblieb alleine.

 

Das wundervolle Baby

Der Prophet (s.) wurde geboren und seine gesegnete Geburt gab Anlass für zahlreiche wunderbare Ereignisse im Himmel und auf Erden, vor allem im Osten, dem Ursprung der Zivilisation.

Nachrichten dieser Ereignisse verbreiteten sich schnell und informierten die Menschen über ein bevorstehendes, sehr bedeutendes Ereignis. Da dieses Neugeborene darauf berufen war, den alten Aberglaube und die Bräuche der Menschen zu zerstören und neue Grundlagen für den menschlichen Fortschritt und Wohlstand zu legen, erklang von Anfang an ein Wecksignal.

In dieser gesegneten Nacht sah der persische Monarch Anushirvan, der eine falsche Fantasie von Macht sowie ewige Monarchie und zu dem die Menschen mit Angst und Ehrfurcht schauten, dass 14 seiner Türme seines herrlichen Palastes zitterten und einstürzten. Das Feuer im Feuertempel, welches seit 1000 Jahren erflammte, erlosch plötzlich. Die gedemütigten Anbeter dieses falschen, zerstörerischen Objekts der Anbetung, deren Geist durch die Hürden der Vorurteile und falschen Nachahmung blockiert waren und somit die Natur nicht reflektierten, erkannten die Wahrheit an und waren zu einer ganz anderen Richtung angezogen. Das Austrocknen des Savah-Sees erweckte die Menschen einer anderen großen Region.

 

Halima, die Amme des Propheten (s.)

Viele Jahrhunderte war es unter den Arabern üblich, ihre neugeborenen Kinder Frauen aus den Stämmen außerhalb der Stadt zu übergeben, um gestillt zu werden. Dies wurde gemacht, damit die Kinder an der frischen Luft und der natürlichen Umgebung der Wüste aufwachsen konnten. Außerdem erlernten sie auf diese Weise den eloquenten arabischen Dialekt, dessen reinste Form zu dieser Zeit in der Wüste zu finden war.

Aus diesem Grund und da Amina keine Milch mehr hatte, um ihr Kind zu stillen, hielt es Abdul Muttalib, Großvater des Propheten und Wächter, für erforderlich eine ehrenvolle und vertrauenswürdige Dame zu beschäftigen, die sich um das Kind seines geliebten Sohnes kümmern konnte. Nachdem er angemessene Nachforschungen betrieben hatte, erwählte er Halima aus dem Stamm von Bani Saad (der für seine Tapferkeit und Beredsamkeit bekannt war), die zu den keuschen, edlen Frauen zählte.

Halima nahm das Kind zu ihrem Stamm und kümmerte sich um ihn, als wäre er ihr eigenes Kind. Der Stamm von Bani Saad litt eine lange Zeit an Hungersnot in der Wüste. Die trockene Wüste und der Mangel an Regen trugen zu ihrer Armut und ihrem Elend bei.

Aber seit dem Tag an dem der Prophet (s.) Halimas Haus betrat, kamen mit ihm Glück und Segen. Ihr Leben, welches von Armut und Not erfüllt war, änderte sich plötzlich in ein glückliches und erfolgreiches Leben. Ihre trockenen Brüste schwollen mit Milch an und die Weide der Schafe und Kamele wurde grün und frisch. Bevor der Prophet (s.) zu Halimas Stamm kam, lebten die Menschen in Armut und wurden mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert.

Er wuchs schneller als andere Kinder, lief flinker und stammelte nicht wie sie. Glück und Gunst begleiteten ihn und alle Menschen um ihn herum realisierten diese Tatsache leicht und bezeugten es. Halimas Ehemann, Harith, sagte zu ihr: „Weißt du was für ein gesegnetes Baby uns gegeben wurde?“.

 

Im Sturm der Ereignisse

Der Prophet (s.) war nur 6 Jahre alt, als seine Mutter Amina Mekka verließ um in Medina ihre Verwandtschaft zu besuchen und um ihren Ehemann an seinem Grab einen respektvollen Besuch zu gestatten. Der Prophet (s.) begleitete seine Mutter auf dieser Reise. Nachdem sie die Verwandtschaft besucht hatten und ihre Liebe und Treue am Grab ihres Ehemannes ausdrückte, starb Amina auf dem Weg zurück nach Mekka an einem Ort namens „Abwa“. So hatte der Prophet (s.) seine Mutter und seinen Vater schon in einem zarten Alter verloren, in dem jedes Kind die Zuneigung eines Vaters und die liebevolle Umarmung einer Mutter braucht.

 

Ein Blick in den Charakter des Propheten(s.)

So wie die Geburt des Propheten (s.) waren auch die Ereignisse, die nach der gesegneten Geburt folgten, außergewöhnlich und hinweisend auf seine Majestät und seinen sehr hohen Charakter. Auch sein Verhalten und die Art und Weise wie er in seiner Kindheit sprach, machten ihn anders als die anderen Kinder. Abdul Muttalib erkannte diese Tatsache und respektierte seine Majestät sehr.

Abu Talib, Onkel des Propheten, pflegte zu sagen: „Wir haben nie irgendwelche Lügen von Muhammad (s.) gehört, noch sahen wir, dass er sich fehlerhaft verhielt oder Unfug machte. Er lachte weder unangemessenm noch sprach er träge und er ist meistens alleine.“

Der Prophet (s.) war 7 Jahre alt, als die Juden bemerkten: „In unseren Büchern lasen wir, dass der Prophet des Islams (s.) es unterlässt etwas zu essen, was religiös verboten oder zweifelhaft ist. Lasst es ihn (Prophet Muhammad (s.)) versuchen.“

So stahlen sie eine Henne und schickten sie Abu Talib. Ohne Kenntnis über den Diebstahl der Henne, aßen alle vom gekochten Huhn, aber der Prophet Muhammad (s.) vermied sogar davon zu kosten. Als sie ihn nach dem Grund seiner Nahrungsvermeidung fragten, antwortete er: „ Dieses Essen ist von Gott verboten und Gott schützt mich vor allem, was Er verboten hat…“.

Dann nahmen die Juden erneut eine Henne von einem Nachbar, mit der Absicht es später zu bezahlen und schickten es zum Hause Abu Talibs. Wieder vermied er das Essen und sagte: „Das Essen ist zweifelhaft, und…“.

Da sprachen die Juden: „Dieses Kind hat einen außergewöhnlichen Charakter und eine hohe Position.“

Abdul Muttalib, Oberhaupt der Quraischiten, behandelte seinen Enkelsohn nicht wie die anderen Kinder, sondern schenkte ihm große Achtung und Ehrfurcht.

Als Abdul Muttalib einen besonderen Platz an der Kaaba zugewiesen bekam, umgaben seine Nachkommen diesen besonderen Ort, doch die Würde und Ehre Abdul Muttalibs hemmte diese, beim Aufsteigen zu seinem Platz. Aber der Prophet (s.) war keineswegs von so viel Pracht und Ehre beeindruckt und ging immer wieder direkt zu diesem besonderen Platz. Abdul Muttalibs Söhne versuchten ihn daran zu hindern, aber ihr Vater protestierte und sagte: „Lasst meinen Sohn gehen. Ich schwöre bei Gott er hat eine glorreiche, majestätische Position.“

Dann setzte sich der Prophet Muhammad (s.) neben dem Oberhaupt der Quraischiten, Abdul Muttalib, und sprach mit ihm.

 

* (s.): sall-allahu alayhi wa aali wa sallam-„Der Segen Allahs sei mit ihm und seiner Familie und Frieden“

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